Buchtipps


 

Tolle Buchtipps gibt es auch bei dem Literatur Blog 

 

http://www.dielesendekaethe.de/ 

 

Katharina Severa hat hier ein wirklich tolles Forum für Literaturinteressierte geschaffen. 

 

Es lohnt sich dort zu stöbern. 

Man sollte allerdings die Seite „Den Blog unterstützen“ ruhig lesen. 

 

 Chaleb Carr  Die Einkreisung 

Inhalt von Michael Drewniok „Krimi-Couch“ 

New York City ist 1896 eine Millionenstadt im permanenten Ausnahmezustand. Die Metropole wächst unaufhörlich, ein breiter Strom von Zuwanderern belebt bzw. übervölkert die Straßen. Die Verwaltung ist überfordert, die Polizei korrupt. Das organisierte Verbrechen breitet sich fast ungehindert aus. Ein soziales Netz existiert nicht, weshalb Armut, Hunger und Tod alltäglich dort sind, wo sich jene ballen, die oft jenseits des Gesetzes um ihr Überleben kämpfen. 

Theodore Roosevelt, seit 1895 Leiter der New Yorker Polizeibehörde, hat sich die Aufgabe gestellt, diesen Augiasstall auszumisten. Damit stellt er sich automatisch auf die Abschussliste jener Gruppen, denen die Polizei als Helfershelfer in ihrem Ringen um Geld und Macht gilt. Deshalb ist Roosevelt angreifbar und muss rasch Erfolge präsentieren, was zum Problem wird, als es zu einer Mordserie kommt, deren Opfer Kinder sind, die sich trotz ihrer Jugend prostituieren. 

Die Obrigkeit leugnet solche "Perversionen", die Ermittlungen werden behindert. Das Phänomen des Serienmords ist polizeilich ohnehin kaum bekannt. Dr. Lazlo Kreisler bietet Roosevelt seine Hilfe an. Der Psychologe, ein Zeitgenosse Sigmund Freuds, ist zumindest ansatzweise in der Lage, sich in die Geisteswelt des Killers zu versetzen. Mit einem Freund, dem Journalisten John Schyler-Moore, der Polizei-Sekretärin Sara Howard und den Ermittler-Brüdern Marcus und Lucius Isaacson bildet Kreisler ein kleines Team, das sich auf unkonventionellen Wegen einer Wahrheit nähert, die sämtliche Beteiligten in Lebensgefahr bringt: Der Killer soll eigentlich gar nicht gefasst werden, da dies womöglich den Ruf nach Reformen laut werden lässt. Weil Intrigen und seilschaftliche Ränken nicht fruchten, greifen auch die Verschwörer auf blanke Gewalt zurück ... 

Der Autor 

Caleb Carr ist in der Lower East Side von Manhattan aufgewachsen und lebt heute in der Nähe von New York. Er studierte Geschichte an der New York Unviversity. Sein erster Roman "Die Einkreisung" wurde ein internationaler Erfolg und in über zwanzig Sprachen übersetzt. 

Fazit 

Der Krimi ist bereits 1994 erschienen und da habe ich ihn auch das erste Mal gelesen. Hin und wieder greife ich auf gute, alte Schmöker zurück. 

 Car ist ein toller Erzähler und beschreibt sehr eindrücklich das New York der damaligen Zeit. Außerdem nimmt er sich viel Zeit für seine Figuren, ihre Geschichte und inneren Dämonen. Hochinteressant ist auch die Vorgehensweise der etwas anderen Ermittler, sind sie doch Pioniere dieser Art der polizeilichen Ermittlung. Heute ist „Profiling“ gängige Polizeiarbeit. Aber auch die „moralische Schuld“ wird hier das erste Mal thematisiert. Kommt ein Täter böse auf die Welt? Ist er irre und gehört in die Anstalt bzw. ist er unzurechnungsfähig oder machen die Umstände und das familiäre Umfeld aus einem Menschen einen Serienkiller? 

Ein spannender, intelligenter Thriller. Empfehlenswert!!!! 

 

 

Carol Rifka Brunt  Sag den Wölfen ich bin zu Hause

Der Roman „Sag den Wölfen, ich bin zu Hause“ wird aus der Sicht des Teenagers June erzählt. New York in den 80 ern, AIDS ist das Thema des Jahrzehnts, Homophobie und die Angst vor Ansteckung, die Stigmatisierung der AIDS Kranken sind das Thema der amerikanischen Gesellschaft. 

Auch Junes Onkel Finn hat AIDS. June liebt ihren Onkel abgöttisch und beide verbindet eine tiefe Freundschaft. Finn nimmt sie ernst. Sie, die anders ist als ihre Altersgenossen, eine Außenseiterin auch in ihrer Familie. Ihre innige Gemeinschaft führt in Junes Familie zu schwelenden Konflikten, besonders mit ihrer Schwester Greta. 

Dann stirbt Finn, und June ist völlig allein mit ihrer Trauer, weil niemand ermessen kann, was sie mit Finn verloren hat. 

Dann nimmt Toby mit June Kontakt auf. Toby war Finns verschwiegener Partner, der nicht einmal zu Beerdigung kommen durfte. June nimmt die Bitte um ein Treffen nur zögerlich an. Heimlich trifft sie sich mit Toby und muss erkennen, dass Finn nicht nur sie geliebt hat. Sie ist eifersüchtig, öffnet sich Finn aber, weil beide ihren Schmerz jetzt teilen können. Toby war der unsichtbare Teil Finns, den er auf Rücksicht zu Junes Familie immer verschwiegen hat. 

Mittlerweile brechen die Konflikte in Junes Familie offen aus und Junes heimliche Treffen bleiben nicht unbemerkt. 

Carol Rifka Brunt hat nicht vordergründig einen Roman über AIDS geschrieben. Die Krankheit als Motiv zeigt die verschiedensten Aspekte menschlichen Zusammenlebens. Aspekte wie Toleranz, Missgunst, Eifersucht und familiären Strukturen. Alle Charaktere sind aufwendig gezeichnet. Die Autorin nimmt sich viel Zeit für die seelischen Dilemma ihrer Protagonisten. 

Sag den Wölfen, ich bin zu Haus - endet traurig, aber alle Figuren des Romans reifen und wachsen durch die Ereignisse und ihre moralischen Konflikte, so dass man aus der Lektüre dieses Buch vieles für sich selber mitnimmt. 

Ein tolles Buch! 

 

"Blütenschatten" von Annalena McAfee 

Buchtipp von Elke Heidenreich 

Eine Frau kommt nachts an dem Haus vorbei, in dem sie mal glücklich war.. 

Sie sieht ihren Mann mit seiner neuen Gefährtin und denkt auf diesem nächtlichen Gang durch London darüber nach, wie ihr ganzes Leben als Ehefrau, Mutter, Künstlerin und Geliebte in nur sechs Monaten so total ruiniert werden konnte. Selbst ihre Kunst – sie ist erfolgreiche Malerin großer Pflanzenbilder – kann bei soviel Desaster nicht überleben. 

Die Ehefrau des Schriftstellers Ian McEwan hat mit "Blütenschatten" einen spannenden psychologischen Roman geschrieben. 

Nachzuhören unter: 

https://www1.wdr.de/kultur/buecher/sonntagsbuecher-bluetenschatten-100.html 

Jeanette Walls Ein ungezähmtes Leben
Buchtipp von Kathi Kleinenhammann

 

Jeannette Walls wurde 1960 in Phoenix, Arizona, geboren und studierte am Barnard College. Als Journalistin schrieb sie über 20 Jahre lang Kolumnen für „E! Channel“ und „Intelligencer“. Sie moderierte dreimal wöchentlich eine Live-Sendung im Morgenfernsehen bei „MSNBC“. Seit 2007 arbeitet sie hauptberuflich als Schriftstellerin. Jeannette Walls veröffentlichte 2006 über ihre außergewöhnliche Kindheit die Autobiographie „Schloss aus Glas“, welche ihr zu internationaler Bekanntheit verhalf. Das Buch stand 26 Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste und wurde 2017 von Destin Daniel Cretton verfilmt. Die 2009 veröffentlichte Romanbiographie über ihre Großmutter, „Ein ungezähmtes Leben“, belegte insgesamt sogar 115 Wochen lang einen Platz auf der Spiegel-Bestsellerliste. Jeannette Walls lebt mit ihrem Mann in Virginia. 

 

In „Ein ungezähmtes Leben“ erzählt Walls die Lebensgeschichte ihrer Großmutter Lily, einer starken, eigensinnigen Frau, die sich nicht nur im Umgang mit wilden Pferden, sondern auch als Lehrerin, Rancherfrau, Schnapsschmugglerin, Pokerspielerin, Flugzeugpilotin und Mutter zweier Kinder bewährte und Anfang des 20. Jahrhunderts den „Wilden Westen“ unsicher machte. 

Außer einer beeindruckenden Lebensgeschichte ist der Roman eine weibliche Variante des amerikanischen Mythos von starken, unbeugsamen Menschen, die ihr Leben selbst gestalten und sich niemals vom Schicksal besiegen lassen. Walls Großmutter Lily Casey Smith starb, als die Autorin acht Jahre alt war. Jeannette Walls lässt ihre Heldin in der Ich-Form erzählen. Sie wächst mit einem Bruder und einer Schwester auf einer armseligen Ranch in West-Texas auf. Als Älteste kümmert sie sich um alles, während ihre Mutter sich über das jämmerliche Landleben beklagt und der Vater Phantastereien nachjagt. 

Lily liebt die Ranch, sie geht begnadet mit Pferden um, und sie ist intelligent und möchte Lehrerin werden. Da ihr Vater aber das Schulgeld für vier dänische Doggen ausgibt, muss Lily die Schule nach einem halben Jahr wieder verlassen. Lehrerin wird sie trotzdem, mit 15 Jahren (!), an Zwergschulen in gottverlassenen Dörfern. Aber sie wird immer wieder entlassen, entweder weil ihr der Schulabschluss fehlt oder weil sie ihre eigenwilligen Vorstellungen vertritt. Einige Jahre in Chicago, wo sie Geld fürs College verdienen möchte, enden in der Ehe mit einem Bigamisten, der ihr auch noch ihr ganzes Geld stiehlt. Aber Lilys Lebenskraft bleibt ungebrochen. In einer zweiten, guten Ehe wird sie zweifache Mutter, Rancherin und Lehrerin und arbeitet härter denn je. Als einzigen Luxus gönnt sie sich gelegentlich Flugstunden. In den Mittelpunkt der Erzählung gerät gegen Ende Lilys höchst eigensinnige Tochter Rosemary, die künstlerisch begabt ist und den Phantasten Rex heiratet. 

 

Stilistisch nähert sich „Ein ungezähmtes Leben“ einer mündlichen Erzählung an. Zwar wird rückblickend erzählt, aber die Perspektive ist nicht die der Erinnerung eines gealterten Menschen, sondern die der lebendigen Vergegenwärtigung. Der Roman enthält Leerstellen, die der Leser selbst ausfüllen muss, dann wieder überraschend viele Details. Er meidet Sentimentalitäten, Reflexionen und Psychologisierungen und orientiert sich stattdessen an Tatsachen. 

(Aus der Besprechung von Gertrud Lehnert im „Deutschlandfunk Kultur“) 

 

Beeindruckt hat mich Lilys pragmatische, unsentimentale und nie von Bitterkeit geprägte Haltung. Sie packt ihr Leben an, mag es noch so hart, arbeitsreich und von Schicksalsschlägen geprägt sein. Lily lebt ihr Leben, so wie sie es für richtig hält und lässt sich niemals unterkriegen. 

Absolut spannend und lesenswert! 

 Alexander Oetker  Mittwochs am Meer 

Buchtipp von Christine Westermann auf WDR 

Worum geht es? 

Der Roman spielt in Frankreich, in der Bretagne. Die Geschichte ist schnell erzählt. Schnell, weil man auf keinen Fall die große Überraschung verraten darf, die sich auf den letzten 50 Seiten entfaltet. 

Seit Wochen fährt Maurice immer mittwochs von Paris aus mit dem Zug ans Meer. Nach Cancal, an die bretonische Küste. Maurice ist Insolvenzverwalter, er soll in Cancal eine Austernfischerei retten. Für Maurice alles müde Routine, er kann der Schönheit der Landschaft nichts mehr abgewinnen. 

Bis sich an einem Mittwoch am Meer alles verändert. Weil ihm die Rezeptionistin seines Hotels einen Liebesbrief schreibt, ihn gern wiedersehen will, wenn er das nächste Mal mittwochs in Cancal ist. Den Rest kann man sich dann fast denken, es ist schließlich eine Liebesgeschichte. 

Der Autor Alexander Oetker ist 39 Jahre alt, (Fernseh-)Journalist und hat schon zahlreiche Bücher geschrieben. Vor allem Krimis, die er sehr erfolgreich auch unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlicht hat. 

Was sagt Kritikerin Christine Westermann? 

Es macht Spaß dieses Buch zu lesen, aber ich muss ehrlich sagen, dass es vor allem am Ende haarscharf am Kitsch vorbeischlittert. Da ist mir alles zu sehr auf Drama geschrieben, um sich dann in einem rosaroten Happy End mit spektakulärem Sonnenuntergang am Hafen aufzulösen. 

Warum ich dieses Buch dennoch gern gelesen habe, hat etwas mit dem Autor zu tun. Er ist Journalist, war lange Jahre Frankreichkorrespondent, er liebt dieses Land, vor allem die Bretagne. Das spürt man auf jeder Seite. Dieses Buch ist der perfekte Reiseführer. 
 
 Die Lokale und Hotels, die er beschreibt, gibt es wirklich, die besonderen Weine und bretonischen Spezialitäten natürlich auch. Ist doch mal eine Alternative, in Gedanken in die Bretagne zu reisen und sich zwischendurch von einer nicht ganz kitschfreien Liebesgeschichte ablenken zu lassen. 

Für wen ist das Buch? 

Alle, die noch nicht geimpft sind und Sehnsucht nach Meer und bretonischen Fischplatten haben. Und die, die schon geimpft sind, aber bei diesem Mistwetter nicht ans Meer wollen und den Fisch zu Hause machen. 

 

Buchtipp von Kathi Kleinenhammann
Diane Chamberlain Der Tod meiner Schwester 

 

Diane Chamberlain wurde in Plainfield, New Jersey, geboren. Vor ihrer Karriere als Schriftstellerin arbeitete sie als medizinische Sozialarbeiterin und Psychotherapeutin. Bisher sind 21 Romane von ihr erschienen, die mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurden. Diane Chamberlain lebt mit dem Fotografen John Pagliuca in North Carolina. (Aus dem Klappentext) 

 

Der Mord an ihrer Schwester vor über 40 Jahren verfolgt die erfolgreiche Schriftstellerein Julienne Bauer immer noch. In einer warmen Sommernacht ertrank Isabel im Meer vor dem Sommerhaus der Familie. An ihre eigene Rolle in jener Nacht kann sich Julie jedoch nicht mehr erinnern. Nun taucht nach so langer Zeit ein neuer Beweis dafür auf, dass damals der falsche Mann für den Mord verurteilt wurde – und Julie muss sich ihren eigenen Ängsten und Schuldgefühlen stellen und gemeinsam mit ihrem Kindheitsfreund Ethan herausfinden, was damals wirklich geschah. Dabei entdecken die beiden Familiengeheimnisse, die besser im Verborgenen geblieben wären, aber auch Gefühle füreinander, die Julie sich nie eingestanden hat. (Aus dem Klappentext) 

Der Mordfall wird neu aufgerollt, und alle Beteiligten sind gezwungen, sich mit der lange verdrängten Geschichte auseinanderzusetzen. 

Es treten drei Protagonistinnen in Erscheinung, die beiden Schwestern der verstorbenen Isabel, Julie und Lucy, sowie ihre Mutter Maria, die abwechselnd aus der Ich-Perspektive berichten. Der Roman spielt außerdem in verschiedenen Zeitebenen, in der Gegenwart und im Sommer 1962, an den sich hauptsächlich die ältere Schwester Julie erinnert und den Leser daran teilhaben lässt. 

Julie ist erfolgreiche Autorin von Kriminalromanen und war 1962 12 Jahre alt. In der Gegenwart hat sie selbst eine 17 jährige Tochter, Shannon, an die sie sich, von Verlustängsten getrieben, klammert. Schon bald wird ersichtlich, dass sie Schuldgefühle plagen, da sie beim Tod ihrer Schwester eine tragende Rolle gespielt hat. Als dann die Tochter des ehemaligen Nachbarsjungen Ethan vor ihrer Tür steht und erzählt, bei ihrem verstorbenen Onkel sei ein nie abgeschickter Brief an die Polizei gefunden worden, in dem er erkennen lässt, dass 1962 der falsche Mann verhaftet wurde, wird die Vergangenheit wieder lebendig. Obwohl Julie ihrer Familie zuliebe, besonders der Mutter, für die der damalige Sommer zum Tabu wurde, den alten Fall nur ungern wieder aufrollen lässt, weiß sie, dass sie die Wahrheit herausfinden muss. 

 

Obwohl dies ein sehr spannender Roman ist, ist es doch ein eher ruhiges und gefühlvolles Buch, in dem es mehr um das Familienschicksal, Julies Schuldgefühle und die Probleme in der Familie Bauer geht als um die Ermittlungen in einem Mordfall. Die Autorin schreibt eine abwechslungsreiche und emotionale Geschichte mit viel Tiefgang. Jede der Protagonistinnen hat eine vielschichtige Persönlichkeit, ist sympathisch und realistisch und entwickelt sich während des Romans weiter. Dazu kommen neben den Rückblenden ins Jahr 1962 Erinnerungen der Mutter, Maria, an ihre eigene Jugend Ende der 30er / Anfang der 40er Jahre. Aber nicht nur in der Vergangenheit liegt der Reiz der Geschichte. Auch Julies Tochter Shannon, die nach dem Sommer auf das College gehen wird, obwohl Julie sie nur ungern ziehen lässt, hat noch einige Überraschungen parat. 

 

Eine klare Empfehlung für diesen Roman! 

 "Stay away from Gretchen. Eine unmögliche Liebe" von Susanne Abel 

Von Elke Heidenreich 

Der Titel dieses Romans geht zurück auf einen Satz, den die amerikanische Army nach dem Zweiten Weltkrieg ihren in Deutschland stationierten Soldaten einschärfte: "Stay away from Gretchen", was heißt: Haltet euch von deutschen Frauen fern! 

Aber der farbige Robert lässt sich doch mit einem blonden Gretchen ein (sie heißt sogar wirklich Greta!) und: Es ist echte Liebe. Sie bekommen ein Kind, und nun zeigen Politik und Rassismus ihr hässlichstes Gesicht. Die Geschichte wird rückblickend aufgerollt, Greta ist alt und dement und ihr Sohn, ein berühmter Fernsehstar, kommt langsam hinter ihr trauriges Geheimnis. 

Ein spannender Roman zu einem wichtigen, vergessenen Thema. 

Unter: 

https://wdrmedien-a.akamaihd.net/medp/podcast/weltweit/fsk0/242/2426002/wdr4buecher_2021-05-02_stayawayfromgretcheneineunmoeglicheliebevonsusanneabel_wdr4.mp3 

gibt es den Download zur Buchvorstellung. 

 

 

Jane Gardam „Robinsons Tochter“ 

 

Jane Gardam wurde 1928 in North Yorkshire, Großbritannien, geboren. Sie schreibt Erzählungen, Romane und Kinderbücher. Außerdem verfasst sie Kritiken für The Spectator, The Telegraph und BBC Radio. Sie studierte Englisch, dann arbeitete sie als reisende Bibliothekarin für Krankenhausbibliotheken des Roten Kreuzes. Anschließend nahm sie Tätigkeiten im Bereich Lektorat für das Weldon Ladies Journal und Time and Tide auf. Ihr erstes Buch veröffentlichte sie im Alter von 43 Jahren. Für ihr Werk wurde sie mit zahlreichen Literaturpreisen gewürdigt. 2009 wurde sie zum Officer des Order of the British Empire ernannt. Gardam ist Fellow der Royal Society of Literature. Sie lebt in Sandwich, East Kent. 

 

Wenn Jane Gardam sagt, in dem Roman “Robinsons Tochter“ stehe „alles drin, was sie zu sagen habe“, verweist sie auch auf ihr eigenes Leben. Denn für sie wurde das Schreiben zur rettenden Insel, als sie sich als junge Hausfrau, dreifache Mutter und Ehefrau mit dieser Rolle zufrieden geben sollte. 

Im Jahr 1904 wird Polly Flint, mit sechs Jahren schon Pflegefamilienveteranin, zu ihren frommen Tanten in das gelbe Haus am Meer in North Yorkshire gegeben. Dort gibt es kaum Unterhaltung, aber es gibt Bücher. Und lesend entwickelt sich Polly unbemerkt zu einer stillen, unbeugsamen Rebellin. Das Buch „Robinson Crusoe“ liest sie immer wieder. Es wird für sie zum Kompass in jeder Lebenslage. Ihre eigene einsame Insel verlässt Polly nie ganz. Am Ende ihres fast 100 jährigen Lebens hat sie Enttäuschung, Liebe, Depression und rettende Freundschaft kennen gelernt und ihre Bestimmung gefunden. 

 

Es handelt sich um einen Entwicklungsroman voller verborgener Geheimnisse und unerwarteter Geschehnisse. Es ist die Geschichte weiblicher Selbstermächtigung, ein Meisterstück Jane Gardams. Polly Flint ist eine jener unsterblichen Romanfiguren, wie sie seit den Brontes und Dickens die angelsächsische Literatur bevölkern. (Aus dem Klappentext) 

„Jane Gardam schreibt Bücher, nach denen sich jeder sehnt, der gern liest.“,) ( Claudia Voigt, Der Spiegel) 

Zwar überhöht Gardam die Kraft von Büchern stellenweise, aber dass die Flucht in fiktive Welten tatsächlich Polly Flints einzige Chance ist, ihr eigenes Leben gewissermaßen zu überleben, wird angesichts der Ereignisse plausibel. Die Geschichte ist die Story früher weiblicher Emanzipation. 

Zwar ist der Schreibstil manchmal sprunghaft und abgehackt, sodass man schon mal zurückblättern muss, aber insgesamt hat mich der Roman sehr gefesselt. Ich empfehle ihn auf jeden Fall weiter. 

 

Eva Meijer  "Das Vogelhaus"
 

Der Roman "Das Vogelhaus" von der Niederländerin Eva Meijer handelt von einer ungewöhnlichen Frau und ihr Leben für die wild lebenden Vögel. 

Die britische Violonistin und Vogelkundlerin Gwendolin Howard wurde1894 als jüngstes von vier Kindern in eine wohlhabende, musische Familie geboren. Ihr Vater war der Dichter Henry Newman Howard. Er begründete schon in Lens Kindertagen die Basis  ihrer Liebe und das umfassendene Interesse an freilebenden Vögeln. 

Ihre  Musikalität, ihr feines Gehör und ihre Sensibilität sind Fähigkeiten, die ihr helfen zu den Vögeln eine wirklich innige Beziehung aufzubauen. 

Der Roman erzählt von "Len", die ihre Familie verläßt, um ihrem Traum als Musikerin erfolgreich zu sein, zu verwirklichen. 

Gegen die für die Frauen ihrer Gesellschaftsschicht vorausgeplante Zukunft wehrt sie sich. In London wird sie Violonistin in einem bekannten Orchester erteilt Kindern aus armen Familien Musikunterricht bleibt aber fremd und isoliert. 

 Trotz ihrer musikalischen Karriere ist sie in London nicht wirklich glücklich. Der Tratsch der Musikerkollegen, die Londoner Lebensbedingungen und das unglückliche Zusammensein mit dem untreuen Liebhaber lassen sie zweifeln. 

Das Erbe ihres verstorbenen Vaters versetzt sie in die Lage ihrem Leben eine ganz andere Richtung zu geben 

1939 erwirbt sie im kleinen ländlichen Örtchen Ditchling / Sussex ein bescheidenes Häuschen. Hier teilt sie ihr Leben von nun an mit den Vögeln. In diesem "Vogelhaus" stehen die Fenster meist offen. Herein fliegen Meisen, Rotkehlchen, Amseln… die bald Möbel, Teppiche und Kleidungsstücke zum Nisten verwenden. Len und die Vögel leben in einer engen Hausgemeinschaft. Selbst in den Kriegsjahren teilt sie ihre knappen Lebensmittelrationen. 

Sie führt das Leben einer Einsiedlerin ist aber keine Exzentrikerin. Sie schützt und beobachtet ihre gefiederten Freunde, veröffentlicht Artikel und schreibt Bücher über die individuelle Intelligenz der Vögel. 

Als Laie und zudem als Frau, entspricht ihre Art der Beobachtung naturgemäß nicht den naturwissenschaftlichen  Methoden, was ihr viel Kritik einbringt. Trotzdem scheint ihr Ansatz ihre Vögel ohne Käfige, Gefangenschaft, Labor und Versuche in ihrem natürlichen Umfeld zu beobachten so viel sinnvoller zu sein. 

1973 stirbt Len Howard in Ditchling. 

Der Roman erzählt nicht nur von ihrem Leben, sondern enthält auch Episoden über ihr Leben mit ihrer Lieblingsmeise "Sternchen". 

Eva Meijer hat ein wunderschönes Buch geschrieben über eine ungewöhnliche Frau und ihr ungewöhnliches Leben. 

Es hält einem aber auch die zunehmende Entfremdung des Menschen zur Natur vor Augen. 

Um es mit Len Howard zu sagen: 

„Der Mensch sieht die anderen Lebewesen nicht richtig, weil er sich selbst für so wichtig hält – würde man ihr Verhalten genau beschreiben, rückte man sie in ein anderes Licht.“ 

 

Mariana Leky Was man von hier aus sehen kann 

 

Der Roman von Marina Leky spielt in einem kleinen Dorf im Westerwald. Die Ich-Erzählerin Luise wächst bei ihrer Oma Selma auf, da ihre Eltern damit beschäftigt sind, unglücklich verheiratet zu sein. 

Selma ist aber auch so etwas wie die Dorfälteste, auf die alle hören und Rat suchen. 

Luises bester Freund Martin findet ebenfalls bei Selma Zuflucht vor seinem gewalttätigen Vater. Der Optiker aus dem Ort kommt regelmäßig zu ihr, weil er in Selma verliebt ist - jeder im Dorf weiß es. Auch Selma weiß es, ist aber froh, dass der Optiker sich nicht traut, es zu sagen. Zu den skurrilen Bewohnern des Dorfes gesellen sich außerdem die abergläubische Elsbeth und die schlecht gelaunte Marlies, die im Haus ihrer verstorbenen Tante lebt. 

Alles Figuren, die sich trotz allen Unbill rührend umeinander kümmern, denn das Unglück macht auch in einem kleinen Dorf im Westerwald nicht halt. 

Selma kann den Tod voraussehen. Immer, wenn ihr im Traum ein Okapi erscheint, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Keiner weiß allerdings, wen es treffen wird. Mariana Leky erzählt, was die Bewohner in den folgenden Stunden fürchten, was sie blindlings wagen, gestehen oder verschwinden lassen und was sie bereuen, wenn sie dem Tod noch einmal davon gekommen sind. 

Leky begleitet ihre Figuren über mehrere Jahrzehnte und arbeitet mit Rückblicken und Zeitsprüngen. Im  ersten Teil ist Icherzählerin Luise zehn Jahre alt, im zweiten Anfang zwanzig und im letzten Teil um die dreißig. Politische oder historische Ereignisse spielen keine Rolle. Das seltsame Dorf ohne Namen scheint von der Außenwelt abgeschnitten zu sein. Auch seine Bewohner, bis auf Luises Vater, verlassen das Dorf nicht, wenn es nicht unbedingt sein muss. 

Leky behandelt in ihrem Roman große Themen wie Freundschaft und Liebe,  Gewohnheit und Veränderung, Leben und Tod. Lesenswert ist es aber vor allem wegen der tollen Sprache. Die Autorin ist eine begnadete Erzählerin und man folgt ihr gerne in diesen Kosmos schräger Typen und ungewöhnlicher Biografien. 

 

 

Wie die Steeple Sinderby Wanderers den Pokal holten  von Joseph Lloyd Carr  

Es ist eine dieser typisch englischen Geschichten über eine Dorfmannschaft, den Underdogs aus Sinderby (547 Einwohner, 2 Pubs), die in der 70 ern das Finale des englischen FA- Cups erreichen und das Spiel ihres Lebens gegen die schottischen Millionäre von den Glasgow Rangern im legendären Wembley Stadion bestreiten. 

Das Fleckchen Sinderby in Yorkshire gibts es wirklich, erfunden sind  seine verschrobenen, schrulligen, listigen, bauernschlauen Einwohner und die Heldengeschichte ihrer Mannschaft. 

Erzählt wird die irrwitzige Geschichte von Joe Gidner, der die Chronik des unglaublichen Fußballwunders schreiben soll. Gidner, der Texte für Grußpostkarten entwirft, erzählt von dem listigen Plan des eigenwilligen, meinungsstarken Vereinsvorsitzenden Arthur Fangfoss ( er ist im Übrigen Vorsitzender aller Vereine). Er versteht nichts von Fußball, aber er hat den Durchblick und versteht es die Leute zu motivieren , so dass sie über sich hinauswachsen. Er bezieht seine positive Lebenseinstellung aus seiner allgemein akzeptierten "Vielweiberei". 

Der Erfolg hat dennoch viele Väter. 

Da wären der Trainer Alex Slingby, einst ein toller Sportler, den es nach dem schweren Unfall seiner Frau nach Sinderby verschlagen hat, der Dorfschullehrer Dr. Kossuth, ein Emigrant aus Ungarn, der mit seinen Lehrmethoden schon an der Dorfschule für Aufsehen gesorgt hat und  der einstige Erstliga-Stürmer Sid Swift, der in eine Lebenskrise geraten war, als er eines Morgens mit der Frage nach dem Sinn der menschlichen Existenz im Kopf erwacht war. 

Grundlage des Trainings und der Spielweise der Dorfelf sind nun die Thesen des ungarischen Dorflehrers. Zu seinen Thesen, von denen eine, die erste, besagt, es müsse möglich sein, Fußball zu spielen, ohne auf die eigenen Füße zu starren, da Frauen das Stricken möglich ist, ohne auf die eigenen Hände zu schauen, und eine andere, die vierte, festhält, dass sich wesentliche technische Unterschiede zwischen Profi- und Amateurspielern nur beim Kopfballspiel ausmachen lassen, welches folglich zu vermeiden und durch die Auswahl eines für hohe Flanken möglichst ungeeigneten Fußballplatzes zu unterbinden sei. 

Der steinige Weg zum Erfolg wird von vielen Helfern begleitet, die ihren, oft unothodoxen Beitrag leisten. 

Die erfindungsreiche Geschichte enthält auch Seitenhiebe auf die hysterische Presse und die außer Rand und Band geratenen, gegnerischen Fans. Das Interview von Arthur Fangfoss mit dem berühmtesten und gefürchtesten Sportreporter Englands ist eine Medienschelte par excellence. 

J.L. Carr (er ist 1994 verstorben) war ein glänzender Erzähler. Er schrieb lebendig und witzig mit viel schelmischem Humor. Es gelang ihm seine Fantasie so geschickt mit der Realität zu verschachteln, dass man an die Geschichte glaubt. 

Ein unterhaltsames Buch auch für "Nicht Fußball Fans" und wie gesagt, durchaus als Lehrbuch tauglich. Der Fußball / das Leben kann so schön sein und manchmal sehnt man sich nach den einfachen Wahrheiten und den echten Typen. 

 

NDR Kultur

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